Seit einigen Jahren ist auch dem Laien bekannt, dass ballaststoffreiche Ernährung vor Übergewicht und Diabetes schützen kann. Allerdings sind die genauen Mechanismen bis heute nicht vollständig bekannt. Forscher um Gilles Mithieux von der Universität Lyon haben nun einen Mechanismus bei Mäusen beschrieben, wie lösliche Ballaststoffe dazu beitragen, Zivilisationserkrankungen wie Adipositas und Diabetes Typ 2 in Schach zu halten.

Die meisten Obstsorten und einige Gemüsearten wie Kohlgemüse, Chicoree oder Schwarzwurzel enthalten bekanntlich Ballaststoffe. Diese werden deshalb so bezeichnet, weil man früher annahm, dass diese nicht vom Körper aufgenommen werden können und somit nur „Ballast” darstellen. Untersuchungen der letzten 20 Jahre konnten zwar bestätigten, dass Ballaststoffe nicht direkt von uns Menschen verstoffwechselt werden können, sie aber trotzdem eine wichtige Rolle in unserer Verdauung spielen. Denn lösliche Ballaststoffe wie z.B. das Inulin werden von den Bakterien der Darmflora in kurzkettige Fettsäuren fermentiert, die wiederum vom Darm absorbiert werden können.

Eine neue Forschungsarbeit aus der Gruppe Mithieux konnte nun zeigen, dass Darmzellen von Mäusen nach der Fermentierung beginnen, selbst Zucker zu produzieren. Der Zucker wird anschließend über Nervenendigungen in den Gefäßen (genauer gesagt im Pfortadersystem) an das Gehirn weitergeleitet. Interessant: Dieser Prozess führte wiederum dazu, dass das Hungergefühl verschwindet, der Energieverbrauch in Ruhe (Grundumsatz) sich erhöht und die Leber weniger Zucker (Gluconeogenese) selbst produziert. Die Studie konnte somit einen neuen Mechanismus aufzeigen, wie der Verzehr von Obst und Gemüse maßgeblich dazu beiträgt, nicht nur Übergewicht und Diabetes vorzubeugen, sondern Stoffwechselstörungen dieser Art auch rückgängig zu machen.

De Vadder, F., Kovatcheva-Datchary, P., Goncalves, D., Vinera, J., Zitoun, C., Duchampt, A., Bäckhed, F., and Mithieux, G. (2014). Microbiota-Generated Metabolites Promote Metabolic Benefits via Gut-Brain Neural Circuits. Cell