Für den Geschmack viele Joghurtliebhaber und Käseenthusiasten lehnt sich Bodo Melnik, Professor für Dermatologie an der Universität Osnabrück, weit aus dem Fenster, wenn er in seinem Artikel behauptet, Milch sei der wesentliche Promotor westlicher Zivilisationserkrankungen wie die koronare Herzerkrankung, Diabetes, Krebs, Demenz, Allergien etc. Hierfür macht er Substanzen verantwortlich, der zur Gruppe der insulinähnlichen Moleküle zählen. Diese sogenannte Insulin-Like-growth-Factor-Familie spielt eine wichtige Rolle in der embryonalen und postnatalen Entwicklung des Menschen – also vornehmlich am Anfang des Lebens, wo die körperliche Entwicklung im Vordergrund steht. IGF´s gehören zu den körpereigenen Wachstumsfaktoren, die sowohl in Wachstumsphasen wie auch bei Entzündungen, Verbrennungen oder Verletzungen auf den Plan gerufen werden, um die Gewebsneubildung voran zu treiben.

Milch ist eine artspezifische, bioaktive Substanz, die dem Wachstum des heranwachsenden Säugetiers dient. Kuhmilch enthält etwa 4-50 ng/ml IGF-1 und 40-50 ng/ml IGF-2. Kühe, denen hohen Mengen an Wachstumsfaktoren gespritzt werden, was wir im humanen Leben Doping nennen, zeigen signifikant höhere IGF-1-Spiegel, die selbst nach Pasteurisierung (kurzfristige Erwärmung > 100° zur Abtötung von Mikroorganismen) und Homogenisierung (Zerkrleinerung der Fetttröpfchen, um eine schnelles Aufrahmen zu verhindern) noch in erheblichem Ausmaß nachweisbar sind. Deshalb weisen erwachsene Milchtrinker eine um 10-20% höhere zirkulierende IGF-1-Menge im Blut auf, Kinder 20-30%. Der niedrige glykämische Index (zwischen 15-30) darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass fast alle Milchprodukte (mit Ausnahme von Käse = 45) einen extrem hohen Insulinausstoß provozieren. Der Insulin-Index von Milchprodukten liegt zwischen 90-98 (Referenzwert = 100). Wenn man z.B. eine niedrig-gykämische Mahlzeit mit 200 ml Milch kombiniert, steigt die Insulinausschüttung um satte 300% an.

Milchproteine bestehen zu 80% aus Casein und zu 20% aus Molke. Beide Proteine besitzen wachstumsstimulierende Wirkung, wobei Casein IGF-1 stärker fördert als Molke. 79-95% der erwachsenen Bevölkerung in den westlichen Ländern leiden unter Akne. Im Gegensatz dazu fand Lindeberg in seiner Kitava-Studie in Papua-Neuginea unter 115 Einwohnern, die keine Milchprodukte verzehren, nicht einen einzigen Fall von Akne. Bei Frauen mit polyzistischem Ovarialsyndrom (PCOS) fand man 2-fach höhere Serumwerte von IGF-1 und DHEAS (Dehydroepiandosteron), einem in der Anti-Aging-Medizin benutztem Steroidhormon, dass in Verdacht steht, für Brust-, Eierstock- und Prostatakrebs (mit-)verantwortlich zu zeichnen.

IGF-1 ist ein mitogenes Hormon, dass Wachstum, Differenzierung und Zelmetabolismus bei verschiedener Zellarten ankurbelt. Aus diesem Grund konnten einige Studien eine Korrelation zwischen hohen IGF-1-Spiegeln und Brust-, Prostata-, Kolon- und Lungenkrebs ermitteln. Dabei erhöhen ultrahocherhitzte und fermentierte Milchprodukte mehr als alle anderen Proteinquellen die Serum-IGF-1-Spiegel. Der hohe Milchkonsum in Skandinavien korrelliert mit einer ebenso hohen Krebsinzidenz.

Unter dem Strich:  Der Autor konstatiert, dass die externe Manipulation der endogenen Insulin- und IGF-Spiegel maßgeblich von den westlichen Ernährungsgewohnheiten beeinflusst wird. Die prä- und postnatale Phase scheint nach Aussage von Melnik die milch- bzw. IGF1-induzierte Krankheitsentwicklung im Erwachsenenalter durch Überstimulation proliferativer Prozesse und reduzierter Inhibition apoptotischer Mechanismen vorzuprogrammieren. Die Milch machts!

BC Melnik: Milk–the promoter of chronic Western diseases. Medical hypotheses, 2009.

Bildnachweis: spacejunkie/photocase.de